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Erfahrungsbericht: Lüttich-Bastogne-Lüttich Challenge 2014

Die meist unterschätzte RTF. 167Km mit über 2600Hm. Viele Anstiege mit fast 20% Steigung. Mal schnell nebenbei die Lüttich-Bastogne-Lüttich Challenge RTF absolvieren, ist nicht gerade die beste Idee. Da sollte man vorbereitet sein.

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Besonders “fremde” Radsportler erhalten spätestens hier im “flachen” Belgien eine gehörige Abreibung. Besonders wenn es kurz vor Schluss nach 155Km, am Côte de Saint-Nicolas in Tilleur, nochmal stellenweise 13% bergauf geht. Dort ist die Anzahl der Teilnehmer beachtlich, die ihr Rad schieben. Obwohl diese Steigung als eher harmlos zu bewerten ist. Und auch nur 1400 Meter lang. Haben dort einige Fahrer schon keine Körner mehr.

Nicht zu vergessen, dass das sommerliche Wetter in den letzten Jahren diesen Höllenritt eher erträglich macht. Normalerweise sind 6 bis 7 Grad, Regen und Hagel im Wechsel zu erwarten. Dies ist eher die Normalität in Belgien. Es ist ja schließlich April. 160Km im Dauerregen bei 6 Grad, würde keinen Belgier aus der Reserve locken. Daher war die 2014 Rundfahrt eher eine entspannte sommerliche Sache, bis auf die Steigungen…

Als Tip für diejenigen die denken, Belgien ist flach. Die sollten sich ausgiebig mit dem Streckenverlauf von LBL befassen. Es sind auf der 167Km Strecke zwar sieben sogenannte Côte (Steigungen) notiert. Das sind aber nicht alle. Die Belgier werten 5% Wellen, teilweise 2Km lang nicht als Steigung. Das ist dann flach! Die ganze RTV ist bespickt mit diesen Wellen. Es geht immer hoch und runter. Das gilt natürlich auch für die kurze und lange Strecke von Lüttich-Bastogne-Lüttich. Dies hat zur Folge, dass man schnell seine letzten Körner verbraucht. Also aufpassen!

LBL Challenge 2014Desweiteren geht es zu Beginn der Strecke erstmal kurz 11% bergab, auf Kopfsteinpflaster, zum wach werden. Dann folgt ein schneller Ritt auf schlechtem Kopfsteinpflaster gepaart mit Schlaglöchern durch Lüttich. Das sehr hohe Tempo auf diesen schlechten Straßen, sollte keinen “fremden” erschrecken. Die Belgier verwandeln ihre RTV´s eher in sehr flotte Rundfahrten. Und falls einem zwei junge blonde Belgierinnen freihändig und quatschend auf Kopfsteinpflaster mit fast 35 Sachen überholen… Alles normal, wir sind in Belgien. Hier wird man immer von den Mädels überholt. Das gilt auch für die Côte de la Redoute, mit stellenweise 20% Steigung. Dort wird manch männlicher Radsportler, ebenfalls vom weiblichen Geschlecht an die Wand gefahren.

Lüttich-Bastogne-Lüttich Challenge ist wie jedes Jahr perfekt organisiert. Verpflegung, Streckenführung und alles weitere stimmt bis ins Detail. Da zu Beginn und auch im späteren Verlauf der RTV das Tempo sehr hoch ist, wird stellenweise der Verkehr bei großen und kleinen Gruppen komplett angehalten. Somit kann man etwas entspannter das Tempo mitgehen. Rote Ampeln werden manchmal auch überfahren. Trotzdem sollte man immer sehr aufpassen, ob trotz kurzzeitig gesperrter Straße kein Auto kommt.

In Belgien wird, wie in keinem anderen Land auf dieser Welt, extrem auf Radfahrer geachtet. Die Rücksichtnahme der Autofahrer ist hier mehr als beachtlich. Spinner gibt´s hier auch, sind aber extrem selten. Radfahren macht hier richtig Spaß.

Als “fremder” sollte man aber wissen, dass die Belgier nicht immer vor Schlaglöchern warnen, da man sonst nicht mehr aus dem warnen raus kommt. Es sind halt immer und überall Schlaglöcher. Desweiteren kann auch mal Sand oder Schotter in der Kurve liegen. Und nach einer steilen 5Km Abfahrt folgt manchmal auch eine 90 Grad Kurve.

Die ganze Lüttich-Bastogne-Lüttich RTV Challenge führt durch die Ardennen. Stellenweise wunderschöne Ausblicke mit viel Wald um Wiesen. Falls man Liege Bastogne Liegeschnell genug unterwegs ist, kann man sich in Stavelot einen Café ziehen. Sehr schöner Ort. Natürlich mit schönem Kopfsteinpflaster. Das Pflaster ist aber bei der LBL RTV viel besser zu befahren als in Roubaix oder auf der Flandern Rundfahrt. Carbon Rahmen und stabile Carbon Laufräder sollten hier keine Probleme machen. Leichtbaumaterial könnte einem aber um die Ohren fliegen.

Falls man nun auf die Idee kommen sollte, die Lüttich-Bastogne-Lüttich Challenge einmal in Angriff zu nehmen, hier einige Steigungen mit Prozent, Verlauf und Bild: L’Ancienne Barrière, Col du Rosier, Côte de la Redoute, Côte de la Roche au Faucons und Côte de Saint-Nicolas.

Lüttich Bastogne Lüttich 2014

Fazit zur Lüttich-Bastogne-Lüttich Challenge: Wer ständig mit seinem Rad in Belgien unterwegs ist, wird vom Straßenzustand und den Steigungen nicht überrascht werden. Alle die hier nicht zu Hause sind, Achtung! Nicht unterschätzen! Höhenmeter sind nicht gleich Höhenmeter. Und belgische Straßen sind auch nicht jedermanns Sache. Trotz allem macht es einen Riesenspaß, diesen Frühjahrsklassiker einmal zu fahren.

Wir könne hier nur eine Empfehlung aussprechen. Man befindet sich ja schließlich in Belgien, im Zentrum des Radsports, was will man mehr!

Fotos: Holger Bischoff

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