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Die 101. Tour de France, vom Stahlesel zum Carbon-Flitzer

Die Tour de France startet dieses Jahr in England und wird zum ersten mal einige Passagen des heftigen Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix und den Wald von Arenberg bewältigen. Ein Glück, dass hier kein Peugeot-Wolber von 1912 zum Zuge kommt…

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Zum Gedenken an den Ausbruch des ersten Weltkrieges, vor 100 Jahren, wird die fünfte Etappe der Tour de France im belgischen Ypern starten. Der Streckenverlauf der Tour-Etappe wird annähernd identisch mit der Westfront des 1. Weltkrieges sein und in den Vogesen enden, wo dann die ersten Bergetappen folgen.

Die harten und gefährlichen Kopfsteinpflaster Passagen und der Wald von Arenberg wird nicht nur die Tour-Profis, sondern auch das Material an die Grenzen bringen. Wenn man sich die Rennräder aus den 20er und 30er Jahren ansieht, glaubt man kaum, dass hiermit in den Anfängen der Tour de France über 5000 Kilometer absolviert wurden. Allein die Sitzposition auf den alten Stahlrädern lässt einen erschaudern. Auf dem Blog velosvintage.over-blog.com wird anschaulich verdeutlicht, wie sich die Radgeometrie und Technik in den letzten 100 Jahren zum Vorteil verändert hat. Zum Glück gibt es heute einen Ahead Steuersatz und Compact-Kurbeln. Nicht zu vergessen die pannensicheren Reifen.

Rennrad-Vintage

Auch nicht zu vergessen, das erst um 1937 eine Art Gangschalten, wie z.B. am Mercier-Hutchinson eingeführt wurde. Ein Campagnolo Schaltwerk war da noch in weiter Ferne. 1930 erfand Campagnolo zuerst die Gestänge-Kettenschaltung, dann folgte später das Schaltwerk, wie es auch heute noch im Einsatz ist.

In den Anfängen des Radsports war es schon ein Fortschritt, das man die Übersetzung vom Rad wechseln konnte, durch Umdrehen des Hinterrades. Links und rechts waren zwei unterschiedliche Ritzel montiert. Hier galt schon der von Campagnolo erfundene Schnellspanner als Revolution. Und verhalf manchen Fahrer der Tour de France zum Etappensieg.

Aktuelle Carbon-Bikes sind im Vergleich zu den Rennern aus den 20er Jahren schon fast als außerirdisch zu betrachten. Sieben Kilo Rad-Gewicht ist schon normal. Selbst moderne Stahlrenner aus Italien liegen hier unter neun Kilo Komplettgewicht. Elektrische 11-fach-Schaltung und Vollcarbon-Laufräder sind Standard. Aktuell entwickelt Tiso die kabellose elektrische 12-fach-Schaltung.

Die technische Entwicklung geht immer schneller vorran. In den 70er und 80er Jahren war das Tempo der Fahrradentwicklung, besonders im Rennrad-Bereich, nicht annähernd so rasant wie Ende der 90er und Mitte 2000. Hier half der MTB-Bereich weiter. Dort war das Entwicklungstempo höher. Dies half den Citybikes und Rennrädern.

Seit ein paar Jahren ist das Thema Elektro-Fahrräder omnipräsent. In jedem guten Radladen stehen die Citybikes mit E-Motor. Da die Gesellschaft immer älter wird, steht die sportliche Betätigung an oberster Stelle. Radfahren als Sport war noch nie so populär wie in den letzten Jahren. Die Fahrrad-Industrie hat den Trend erkannt und liefert Bikes und Equipment für fast alle Bedürfnisse.

Carbon-Rahmen sind auf dem besten Weg die zu steifen Alu-Rahmen zu überholen. In ein paar Jahren wird Carbon zum normalen Standard gehören. Moderne Wickeltechnik der Carbonfasern lässt die in den Anfängen noch zu harten Carbonrahmen, so flexibel werden wie Stahlbikes. Preislicht wird sich der Trend zu Carbon auch weiter nach unten bewegen. Die Stahlrahmen bedienen nur noch einen Nischenmarkt. Obwohl auch hier in der letzten Zeit zu erkennen ist, dass Stahl wieder nachgefragt wird.

Desweiteren wird seit einiger Zeit auch das Thema Bremsen angegangen. Hydraulische Felgenbremsen und Scheibenbremsen sind nun auch bei Citybikes und Rennrädern zu finden. Ob und was sich in der nächsten Zeit durchsetzen wird, entscheidet bekanntlich der Verbraucher. Nicht jede Entwicklung im Bike-Bereich zu mehr Hightech ist nötig und auch besser.

Leider bewegt sich auch kein 5000,- € Carbon-Flitzer von selbst durch den Wald von Arenberg, feste treten muss man immer…

Bild: Holger Bischoff

 

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